2012-2016
Juli 2015 Es ist Sommer in Schwalingen, Juli 2015. Wie jeden Tag leert Dirk Schröder seinen Briefkasten am Haus, wie jeden Tag erwartet er die übliche Post, Rechnungen, Reklame, eigentlich nichts Besonderes. Doch dann hält er einen großen braunen Umschlag in der Hand, von einer Art und einem Format, die hierzulande unüblich sind. Das Interesse steigt, als Dirk Schröder erkennt, dass der Umschlag aus Amerika kommt, aus den USA, Post Auburn in Nebraska. Der Absender ist „GARY L. ROGGE“. Im Umschlag entdeckt Dirk Schröder einen Brief in deutscher Sprache, der an ihn als Ortsbürgermeister von Schwalingen gerichtet ist und einige Fotos. Gary Rogge erklärt darin, dass seine Großmutter Emma Böhling vom Schwalinger Schmeers-Hof stammt und 1894 nach Amerika kam. Sein Großvater Rogge wurde in Grauen geboren und kam im Alter von 4 Jahren nach Amerika, im Jahre 1868. Die Wurzeln der Familie Rogge sind in Lünzen und Fintel. Dann erklärt sich, warum auf den Fotos im Umschlag das Schwalinger Denkmal und Grabsteine vom Schwalinger Friedhof zu erkennen sind: Gary Rogge berichtet, dass er in früheren Jahren schon mehrmals Schwalingen besucht habe und nun beabsichtigt, erneut nach Schwalingen zu kommen. Er hat Interesse daran, dass Dirk Schröder ihm den Platz zeigt, wo früher der Schmeers-Hof stand. Wie fand Gary Rogge denn Namen und Anschrift von Dirk Schröder als Ortsbürgermeister ? Auch das erklärt sich beim weiteren Lesen des Briefes: „Schwalingen’s website ist super“, schreibt Gary Rogge. Da findet man natürlich nicht nur Altes und Neues aus Schwalingen, sondern auch die Kontaktmöglichkeiten.… Und dann sitzt Gary Rogge mit Dirk Schröder in dessen Büro in Schwalingen. Gary Rogge ist mit dem Auto gekommen, das er für seine große Rundfahrt in Europa gemietet hat: Deutschland, Ungarn, Österreich steht auf dem Reiseplan. Überall werden Verwandte besucht oder Plätze, wo früher Verwandte gelebt haben. Gary Rogge ist Farmer in Nebraska, Nemaha County, gewesen. Sein Sohn hat die Farm übernommen, als sich Gary Rogge zur Ruhe setzte. Das war dann auch der Zeitpunkt, von dem an Gary Rogge begann, „alle paar Jahre“ die Heimat seiner Vorfahren zu besuchen. Immer wieder mischen sich deutsche Worte in das Amerikanisch von Gary Rogge, z.B. benutzt er das Wort „Bauer“, wenn er von der Landwirtschaft in Nebraska erzählt. Die Erinnerung an seine Großmutter Emma ist noch sehr lebendig bei Gary Rogge. Er hat sie bis zu seinem 15.Lebensjahr erlebt. „Wenn wir mal einen Hasen geschossen hatten, dann bereitete sie daraus ‚Hasenpfeffer‘, richtig lecker“ erinnert sich Gary Rogge. Das Wort „Hasenpfeffer“ gibt es nur auf Deutsch und er hat es nicht vergessen über die vielen Jahre. Überhaupt ist Gary Rogge die Erinnerung an seine Großmutter sehr wertvoll, sie wird ihn sehr beeindruckt haben. „Sie hat schwer gearbeitet in ihrem Leben und die Familie hochgebracht, 8 Kinder hat sie aufgezogen“, erzählt Gary Rogge. Für ihn ist es selbstverständlich, sich um die Familiengeschichte zu kümmern und sich darin auszukennen. Dann wird Gary Rogge doch nachdenklich:“Leider ist das eben nicht mehr so selbstverständlich bei uns“, sagt er, „die Kinder, die junge Generation will davon nichts wissen. Das ist schade – und es zeigt auch etwas über den Entwicklung unserer Gesellschaft und Kultur in Amerika.“ An diesem Punkt kommt Gary Rogge auf Schwalingen zurück und auch auf die Seiten der „GeschichtsWerkstatt Schwalingen“ im Internet, von denen er Zuhause in Nebraska viele angesehen hat. „Ihr hier kümmert euch um eure Geschichte, um die Höfe und ihre alten Familien,“ freut sich Gary Rogge, „und nicht nur darum, sondern ihr kümmert euch sogar um diejenigen, die das Dorf verlassen haben und ausgewandert sind. Auf euren Webseiten hab‘ ich die Auswanderergeschichten von Familien gelesen, die meine Nachbarn sind und viele mehr, von denen ich gar nicht wusste, dass sie aus Schwalingen stammen – es ist großartig und gut zu wissen, dass ihr hier euch wirklich kümmert.“ Dann ist es für Gary Rogge Zeit aufzubrechen. Er hat an diesem Tag noch einige Punkte anzusteuern, die er besuchen will – alles ist gut durchgeplant. Eine Frage noch: Gibt es noch deutsche Kultur in Nebraska, in Amerika ? Gary Rogge lacht: “Ja, doch. Zweimal im Jahr findet in Omaha, Nebraska, ein Fest mit deutscher Kultur statt – das “Maifest” und der “German Day”, das ist das Oktoberfest. Wir fahren da auch hin.“ Dann ist Gary Rogge schon im Auto. Dirk Schröder steht vor der Haustür und sieht dem Auto mit Gary Rogge nach. In der Hand hält er den großen braunen Umschlag mit der Post aus Amerika. Irgendwie ist Nebraska in diesem Augenblick gar nicht so unendlich weit weg von Schwalingen und die Zeit der Auswanderungen gar nicht so unendlich lange her.

Besuch aus Amerika

die “Rogge” aus Lünzen in Amerika und ihre Verwandten aus Schwalingen
Der Halbhof “Schmeers” in Schwalingen, um 1930
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